Sonntag, 10. März 2013

Neulich in der Nachbarschaft

oder: eine Lehrstunde in Sachen Kindererziehung.

Neulich morgens war ich auf dem Weg in die Schule (zu Fuß). Als ich aus dem Haus ging, sah ich, dass der Kollege von schräg gegenüber sein Auto abkratzte. Er grüßte mich und schlug mir vor, mich mitzunehmen. Allerdings müsse er noch seine Tochter (ca 2 Jahre alt, nennen wir sie einfach mal "Lotte") in die Kita bringen, da die Schule aber dennoch auf dem Weg liegt, könne er mich dort ja herauslassen. Da ich etwas knapp dran war, nahm ich das Angebot gerne an.
Als das Auto vom Eis befreit war, öffnete er die Tür (Lotte saß bereits auf der Rückbank) und fragte: "Lotte, sollen wir Chiqitac mitnehmen?"
Lotte nickt.
"Darf sie dann vorne sitzen?"
Lotte schüttelt den Kopf.
Ich frage: "Oh, soll ich mich zu Dir nach hinten setzen?"
Lotte schüttelt den Kopf.
Kollege: "Darf Chiqitac nicht mitfahren?"
Lotte schüttelt den Kopf.
"Aber Chiqitac hat doch ein böses Knie!"
Lotte schüttelt den Kopf.
Kollege schaut mich an: "Du, das tut mir jetzt leid. Da müsst Ihr Euch halt demnächst erst mal besser kennenlernen, dann reagiert sie das nächste Mal nicht mehr so."
...und fährt mit Lotte weg.

Ich gestehe, ich war perplex - und sprachlos.


Kommentare:

  1. Der Erziehungsfehler, den ich heute erlebte, ereignete sich an der Supermarktkasse.
    Etwa 10jähriges Mädchen und sein Papa. Mädchen greift drei Schokoriegel, will noch mehr. Papa sagt, daß er für noch mehr kein Geld hat, kauft ihr aber diese drei. Und sagt: Steck sie aber gut weg, damit Mama nichts merkt. Der mußt du das nicht sagen.

    Mein Gedanke: Noch ist das Kind schlank. Und noch sagt es vermutlich meistens die Wahrheit. Wie lange noch?

    AntwortenLöschen
  2. In beiden Fällen besteht dringender Erziehungsbedarf für die Väter! Oweia oweia ...

    AntwortenLöschen
  3. Nicht nur für die Väter, fürs Kind schon auch. Auweia war auch meine Reaktion.

    AntwortenLöschen
  4. ;-) ich bin ja beruhigt, dass ich nicht die Einzige bin, die da irgendwas merkwürdig findet!

    AntwortenLöschen
  5. Oh Mann! (ja, die Frage, inwieweit sich dieser "Mensch" auch/noch als "Mann" empfindet, stellt sich auch, aber das nur am Rande...)

    Die kleine Geschichte hat leider einen großen Hintergrund: Wer falsche "Götter" anbetet, den eigenen Bauch, die eigene "Erfahrung", leider aber auch die eigenen Kinder, die eben, bei aller Liebe, auch nur Menschen (und keine "Götter") sind, der handelt dann eben auch falsch.

    Schlimm.

    Und es ist nur eine sehr schale Beruhigung, daß er die "Früchte" seines Handelns sehr schnell, sehr direkt ud sehr unangenehm spüren wird...

    GL

    AntwortenLöschen