Montag, 9. Juli 2012

Erstkommunionelterntreffen

Habe ich schon erzählt, dass ich mich überzeugen ließ, bei der Erstkommunionvorbereitung hier in der Gemeinde mitzuarbeiten? --> Mit einer Frau, die dieses Jahr selbst zwei Kinder in der Erstkommunionvorbereitung hat, leite ich gemeinsam eine Elterngruppe. 
Heute war nun das erste Treffen, zu dem 8 Mütter und 1 Vater kamen. Bereits im Voraus hatte ich (gegenüber dem Priester) geäußert, dass ich für die Form der Vorbereitung hier in der Gemeinde zu konservativ sein, aber er hat diese Bedenken abgetan. 

Vielleicht ist der Weg der Erstkommunionvorbereitung manchmal ein
Kreuzweg und sicherlich gibt es Berge, die man überwinden muss...
Die Vorbereitung hier sieht einen Weg vor, die die Erstkommunionfamilien gemeinsam gehen. Auf diesem Weg gibt es verschiedene Stationen und Inhalte, die Familien sollen aber auch grundlegende Dinge, wie Zeiten der Dankbarkeit in den Familien oder gemeinsame, bewusst besuchte Gottesdienste erleben. Dazu gehört ein gewisses Maß an Selbstkontrolle (anhand von Zetteln), vor allem aber auch ein gewisses Maß an Bereitschaft, sich auf diesen Weg einzulassen. 
Heute Abend habe ich dann bei mir gedacht, dass ich die Motive einiger der anwesenden Eltern, ihr Kind für die Erstkommunion anzumelden, nicht verstehen kann. Als ich dies dann (allgemein) gesagt habe, war ich gleich schon in der Rolle, die ich wohl für den Rest der Vorbereitung innehaben werde: die des "bad  cop"s. ;-) Meine Co-Leiterin (eine praktizierende und überzeugte Katholikin, wie ich erleichtert bei unserem ersten Treffen festgestellt habe) ist ganz froh, dass sie dieses Jahr, wo sie selbst betroffen ist, einmal den "good cop" geben kann. Naja. Sei's d'rum. 
Ich hoffe irgendwie, dass meine Geradlinigkeit vielleicht doch bei der einen oder dem anderen dazu führt, dass sie sich mit der Lehre unserer Kirche, besonders aber mir ihrem Glauben auseinandersetzen. 
Die Konsumentenhaltung müssen wir schleunigst ablegen (das kam dann immerhin auch als Erkenntnis von den Eltern selbst) und die Haltung "dann soll DIE KIRCHE 'mal machen" ebenso. Eine Dame war besonders aktiv im Schimpfen auf einige Dinge (z.B. dass es in den evangelischen und freikirchlichen Gemeinden hier in der Gegend viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiel mehr Angebote für Kinder gibt - ein Fakt, der nicht weiter verwunderlich ist, schließlich sind die Katholiken hier eine kleine Minderheit!). Besonders auch die (in ihren Augen nicht mehr zeitgemäßen) Unterlagen, auf der einige Dinge, wie z.B. der gemeinsame Messbesuch oder gemeinschaftliche Gebetszeiten in der Familie festgehalten werden sollen, waren ihr ein Dorn im Auge. Im Zuge dieses "alles ist veraltet"-Rundumschlags ging es dann auch gleich gegen die Gottesdienstformen zur Sache und dann folgte der Ausspruch, der mich sogleich zum Widerspruch nötigte: "Vor 30 Jahren musste man auch noch jeden Sonntag in die Kirche gehen. Das ist heute auch nicht mehr so." - Als ich dann sagte, dass ich ihr da widersprechen müsse und dies dann noch darlegte, herrschte Schweigen im Raume.
...
Ich bin sehr gespannt, wie das noch so weitergehen wird....
...am Ende dieses Weges aber wartet unser HERR.
Es gibt aber auch noch etwas Positives zu vermelden: eine Mutter kam nach dem Treffen auf uns beide zu und meinte, sie würde sich wünschen, dass wir in diesen Elterngruppentreffen auch die Lehre der katholischen Kirche darlegen würden - sie und einige andere Eltern wüssten viel zu wenig. Einerseits betrübt mich diese Aussage (weil sie deutlich zeigt, dass es gerade in Gegenden, wo es z.T. keinen katholischen Religionsunterricht gibt die Vermittlung katholischer Lehrinhalte von den Priestern nicht vernachlässigt werden sollte, sondern auch in Predigten etc. angesprochen werden sollte (was hier selten geschieht), andererseits freue ich mich aber auch sehr darüber, denn das ist doch ein guter Ansatzpunkt. (Auf die Frage, ob ich ihr nicht ein Buch empfehlen könnte, wo sie sich auch selbst schlau machen könnte, fiel mir ein, dass ich mir vor einigen Wochen den Youcat zugelegt habe, weil mir beim Einkaufen durch den Kopf ging "den könnte man doch auch einmal Interessierten in die Hand drücken" ;-) - das habe ich jetzt gemacht.)

Wer weiß, vielleicht finden durch diesen Weg einige doch ihr Ziel, unseren HERRN. Meine Aufgabe wird (neben der Vermittlung der katholischen Inhalte) wohl vor allem sein, diese Familien, und vor allem die Kinder im Gebet zu begleiten. Vielleicht will sich ja der eine / die andere anschließen. 

(Die Bilder zeigen den Kreuzweg beim Kloster Marienthal in Ostritz)


Kommentare:

  1. Es ist mutig von dir, dich so zu zeigen und den bad cop zu geben!
    Kannst du das denn gut aushalten, von den anderen so misstrauisch beäugt zu werden?

    Interessant wird auch sein, was dein Kind denkt?
    (Fällt mir ein, weil ich ja in 100m Umkreis des Kindergartens nicht mehr singen darf - du bist so peinlich (=anders), Mama!

    Und ob der Gemeindepriester in dir Hilfe oder Konkurrenz sieht.
    Bin gespannt, was du im Laufe des Jahres berichtest.

    Grüße von Huppicke

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  2. Bin auch sehr gespannt...
    Aber zur Klärung: ich habe kein Kind. (-> Ich bin noch in der Entscheidungsfindungsphase, wo und wie es weitergehen soll.) Als mich der Priester fragte, ob ich da mitmachen würde und ich meinte, ich hätte doch keine Kinder (wobei ich altersmäßig durchaus Erstkommunionkinder haben könnte), meinte er, er auch nicht - und er würde da auch mitmachen ;-). Da konnte ich nicht mehr viel erwiedern.

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  3. Wünsche dir gute Nerven :-) Ich hatte ein paar Jahre Firmvorbereitung gemacht. Allerdings bin ich bei der vorletzten Vorbereitung, die ich gemacht hatte, vom Gemeindereferenten angeschrien wurden, wie ich denn die "Kinder" (15-17 Jährige) in den Beichtstuhl zerren könne (cooles Bild, was die Sache aber wirklich nicht traf, nur bei mir war der Empfang des Bußsakramentes Teil des Pflichtprogramms, der von allen gerne absolviert worden ist), danach hatte ich noch eine Vorbereitung, da bin ich dann nicht mehr zu den Treffen der Firmkatecheten gegangen und dann hat unser Pfarrer gewechselt und wir haben uns eine neue Ortspfarrei gesucht.

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    1. Firmvorbereitung habe ich genau ein einziges Mal gemacht - damals, als meine eigene (Mädchen)Jugendgruppe "dran war".
      Ich freue mich im Übrigen auch schon auf die Gespräche über die Beichte etc....
      Und das mit dem Gemeinde wechseln ist so eine Sache. Ich bin schon "Kirchentourist", wohne aber halt leider in der (katholischen) Diaspora. Eine Stunde mit dem Auto zu fahren wäre eine Option, das finde ich aber irgendwie auch unpraktisch, weil ich das nur einmal in der Woche (sonntags) machen würde. Na, aber ich gehe davon aus, dass ich nicht "ewig" hier wohnen werde. Wer weiß!

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