Freitag, 20. Juli 2012

Schwester der Braut

Vor drei Wochen hat meine Schwester geheiratet und ich war gebeten, ein Stück (mit Klavierbegleitung) zu singen. Nun habe ich schon seit ein paar Jahren Gesangsunterricht, und in der letzten Zeit bin ich auch echt öfters einmal zufrieden mit dem, wie das mit dem Singen geht, aber ich habe immer noch ein großes Problem: ich bin soooooooo aufgeregt (was ich praktisch überhaupt nicht bin, wenn ich vor anderen reden soll oder mich sonst irgendwie "zum Affen machen" soll - nur das Singen ist das Problem). In der Vorbereitung habe ich also geübt und geübt und geübt und geübt - und in den Wochen vor der Hochzeit war das Lied im Unterricht auch so richtig klasse. Und dann kam die Hochzeit. Ich stehe nach der Trauung auf (wo ich natürlich innerlich sehr bewegt war - schließlich schloss meine kleine Schwester den Bund für's Leben) und gehe zum Klavierspieler und merke, dass mein Herz gefühlt irgendwo in meinem Hals wild klopft, dass mein Hals zugedrückt ist etc. (nebenbei: es waren vielleicht 250 Leute zur Messe gekommen). Uuuuh, war das gruselig; ich habe versucht, mir nichts anmerken zu lassen und noch viel mehr versucht, mich wieder zu beruhigen und dann ging's los. Bei den ersten Takten habe ich gemerkt, wie meine Stimme wackelt und ich war ganz unglücklich. Dann ging's immer besser, zwischendurch war ich auch beim Singen zufrieden - und hoffte auf den Schluss (da war ein schöner langer hoher Ton zu singen) - doch leider war der wohl nur zu 75% so schön, wie er hätte sein können. 
Naja. Fazit: ich selbst ging ziemlich unglücklich auf meinen Platz zurück. Die Reaktionen nach der Trauung waren dann aber durchweg positiv (viele wussten gar nicht, dass ich so singen kann ;-) - woher auch?!), teils sogar begeistert - und ich war nicht mehr ganz so unglücklich. 
Heute nun habe ich von meiner Schwester die Aufnahme dieses Stücks bekommen (das hat jemand mitgeschnitten), nochmals mit dem Dank, dass sie sich sehr gefreut haben. Beim Anhören muss ich nun feststellen, dass man am Anfang zwar durchaus hören konnte, dass meine Stimme gewackelt hat und mir teils die Luft weggeblieben ist (und auch zwischendurch manchmal), insgesamt aber bin ich doch recht zufrieden. Es klingt echt besser, als es sich angefühlt hat. Vielleicht hatte meine Gesangslehrerin doch recht, als sie meinte, dass das Stück auch noch toll klingen würde, wenn ich nur 75% dessen gäbe, was ich könnte. So wird's wohl gewesen sein. 
Ein wenig traurig bin ich denoch, denn ich weiß, dass es noch viiiiiiiel schöner hätte sein können - das hätte ich auch echt gerne gegeben für meine Schwester. Aber: es ging nicht. 
Und andererseits wollten die beiden, dass wir (ich als Schwester der Braut und der Pianist als Bruder des Bräutigams) das machen und keine professionellen Musiker. Ich werde weiter üben und hoffe, dass ich das mit der Nervosität irgendwann einmal besser in den Griff bekomme (leider habe ich keine Schwester mehr, bei deren Hochzeit ich üben könnte ;-) , da muss ich mir andere Möglichkeiten suchen), so dass ich irgendwann einmal selbst so richtig zufrieden sein kann, wenn vor anderen vorsinge. 
Bis dahin versuche ich mich darüber zu freuen, dass auch dieses Stück schon stellenweise sehr schön war. 

Kommentare:

  1. Es gibt Menschen, die ein Leben lang mit dem Lampenfieber kämpfen, aber bei den meisten lässt es mit der Zeit nach. Und nachdem Sie vor Leuten reden und was auch immer können, sehe ich gute Chancen, dass es immer besser wird!!!
    Ich spreche aus Erfahrung ...

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    1. Darauf hoffe ich! Danke für's Mutmachen!

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  2. Ja und wo ist die Audiodatei? Wir wollen doch alle die Aufnahme hören! Her damit :)

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    1. Neeeeeee, da stehe ich nicht genug darüber. Wenn ich einmal eine Aufnahme habe, mit der ich selbst recht zufrieden bin, dann reiche ich das nach!

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